10 Jahre A2® Kurzschaft: Eine Bilanz zwischen Evidenz und Weiterentwicklung

10 Jahre A2® Kurzschaft: Eine Bilanz zwischen Evidenz und Weiterentwicklung

Rund 120 Teilnehmende, viele von ihnen langjährige Wegbegleiter des A2® Kurzschaftes, kamen am 10. Juli 2026 bei schönstem Sommerwetter und Blick auf den Kölner Dom zum Symposium „10 Jahre A2® Kurzschaft“ zusammen. Unter der wissenschaftlichen Leitung von PD Dr. med. Thomas Randau und Dr. med. Thorsten Hillmann, beide Köln, blickte das Programm auf ein Produktjubiläum zurück und auf ein Jahrzehnt, in dem sich die Kurzschaftendoprothetik von einer Nischenlösung zu einem festen Bestandteil der Versorgungsrealität entwickelt hat.

Von der Nische zum breiten Versorgungssegment

Den historischen Rahmen lieferte PD Dr. Thomas Randau. Der Ursprung der Kurzschaftidee reicht bis 1978 zurück, als Pipino das erste anatomisch vorkonfigurierte Design vorstellte. Die heute als „calcar-guided short stems“ bezeichnete Gruppe, zu der seit 2016 auch der A2® Kurzschaft zählt, etablierte sich ab 2004 mit dem Nanos-Schaft.

Die Veränderungen der vergangenen zehn Jahre zeigt sich in den EPRD-Registerdaten, die Dr. Randau vorstellte: Lag der Anteil der Kurzschäfte an den primären Hüftendoprothesen 2014 noch bei rund 5 Prozent, waren es im aktuellen Bericht bereits 23,3 Prozent. Auch Prof. Dr. Sascha Gravius, Mannheim, unterstrich in seinem Vortrag die Versorgungshäufigkeit: Bei mehr als 170.000 primären Hüftendoprothesen pro Jahr in Deutschland und einer deutlichen Ausweitung des Indikationsspektrums stelle sich die Frage: Ist der Kurzschaft als Standardversorgung wissenschaftlich belegbar?

PD Dr. Thomas Randau

PD Dr. Thomas Randau

Gleichwertig, nicht überlegen: die wissenschaftliche Bilanz

Dieser Frage widmete sich Prof. Dr. Gravius systematisch in seinem Vortrag. Seine Auswertung der Biomechanik, von randomisierten Studien und Registerdaten kam zu einem klaren Ergebnis: Die biomechanischen Vorteile des Kurzschaftes – Knochenerhalt, reduziertes Stress-Shielding, physiologischere Krafteinleitung – sind wissenschaftlich belegt. Eine klinische Überlegenheit gegenüber dem Standardschaft lässt sich daraus jedoch nicht automatisch ableiten. Ein Zehn-Jahres-Follow-up aus randomisiert-kontrollierten Studien (Van Beers LWAH et al. Acta Orthop. 2024; 95: 99-107) zeigt vergleichbare Funktion und keinen signifikanten Unterschied im Implantatüberleben. Prof. Dr. Gravius‘ Fazit: Es handele sich nicht um eine überlegene, aber um eine gleichwertige Versorgungsoption mit biologischen Vorteilen und bewährter Langzeitsicherheit. Die fehlende Überlegenheit wertete er dabei explizit nicht als Nachteil des Kurzschaftes, sondern als Ausdruck des insgesamt hohen Niveaus der modernen Endoprothetik.

Die biomechanische Grundlage für diese Einschätzung lieferte Mario Frank, Lüdinghausen: Kalkargeführte Kurzschäfte leiten die Kraft durch eine langstreckige mediale Auflage physiologischer ein als klassische Geradschäfte. Frank verwies dazu auf eine retrospektive Propensity-Score-Matched-Analyse von 3.053 Hüft-TEPs (Luger et al., J Arthroplasty 2023), die unter Kurzschäften eine signifikant niedrigere periprothetische Frakturrate zeigte (1,7 % vs. 3,2 %; p=0,015).

Dass diese Einordnung durch weitere Daten unterfüttert werden kann, zeigten weitere Vorträge. Prof. Dr. Stefan Budde, Bielefeld, stellte eine RSA-Studie (Radiostereometrie-Analyse) an 60 Patienten vor: Zwei Drittel der A2®-Schäfte hatten bereits eine Woche nach der Implantation ihre endgültige Position erreicht: ein Hinweis auf eine sehr rasche Primärstabilität. Dr. Sofia Kilgus, Köln, präsentierte die 5-Jahres-Zwischenauswertung einer multizentrischen Beobachtungsstudie (n=171; 54,5 % weiblich, Durchschnittsalter 61,6 ± 7,5 Jahre, BMI 28,0 ± 4,2). Operiert wurde überwiegend minimalinvasiv (60,8 %, davon anterolateral 45,6 %, dorsal 42,7 %, lateral 11,7 %), mit Schafttyp B in 83,6 % der Fälle, ganz überwiegend mit 36-mm-Köpfen (60,2 %) und einer Gleitpaarung aus hochvernetztem Polyethylen (60,8 %) oder Keramik (38,0 %). Radiologisch zeigte sich in der a.p.-Ebene in Zone 7 bei 89,47 % ein kortikaler Kontakt; die Verankerung erfolgte in 35,6 % der Fälle diagonal, in 21,6 % nach dem Fit-and-Fill-Prinzip.

Klinisch berichtete Dr. Kilgus über fünf Dislokationen (2,9 %) sowie eine intraoperative Komplikationsrate von 1,17 % (Fissuren). Zum Vergleich zog sie eine Untersuchung zum Metha-Schaft (Aesculap) heran, in der eine entsprechende Rate von 3,32 % berichtet wurde (Stauss et al. 2024). Über den gesamten Beobachtungszeitraum von fünf Jahren kam es zu keiner einzigen Schaftrevision und zu keiner Infektion. Der Harris Hip Score stieg im Mittel von präoperativ 43,9 auf 95,6 Punkte, mit einem für Hüftendoprothetik typischen Verlauf: deutlicher Anstieg innerhalb der ersten drei bis zwölf Monate, danach ein Plateau bei durchgehend guten bis exzellenten Werten in Beweglichkeit und Patientenzufriedenheit (u. a. Forgotten Joint Score, UCLA-Aktivitätsscore). Diese Ergebnisse waren konsistent über alle fünf teilnehmenden Zentren hinweg.

Auch Dr. Thorsten Plaumann unterlegte diese Bilanz mit einer großen Serie aus Sendenhorst: In der eigenen EPRD-Auswertung stieg die Überlebensrate des A2® Kurzschafts an dieser Klinik von 97,1 Prozent (2022) über 98,1 Prozent (2023) auf 99,4 Prozent (2024), bei einer Gesamtrevisionsrate von 1 Prozent über rund 1.000 implantierte Schäfte – davon ein erheblicher Teil durch Assistenzärztinnen und -ärzte in Weiterbildung durchgeführt. Sein Fazit: „Mehr Kurzschaft wagen.“

Dr. Sofia Kilgus

Dr. Sofia Kilgus

Dr. Thorsten Plaumann

Dr. Thorsten Plaumann

Prof. Dr. med. Sascha Gravius

Prof. Dr. med. Sascha Gravius

Mario Frank

Mario Frank

Prof. Dr. Stefan Budde

Prof. Dr. Stefan Budde

Der zementierte Kurzschaft liefert die Antwort auf ein reales Versorgungsproblem

Eine konkrete Weiterentwicklung ist die zementierte Variante des A2®-Schaftes. Dr. Bertram Regenbrecht, Lilienthal, ordnete sie in einen klaren Versorgungskontext ein: EPRD-Daten zeigen bei zementfreien Kurzschäften ab einem Lebensalter von über 75 Jahren sowie bei Dorr-B- und -C-Femora schlechtere Ergebnisse, insbesondere mehr periprothetische Frakturen. Dies deckt sich mit der generellen EPRD-Empfehlung, ab einem Alter von 75 Jahren zementiert zu versorgen. Hier schließe der zementierte Kurzschaft eine Versorgungslücke, so Dr. Regenbrecht. Seit der Erstimplantation im Dezember 2020 wurde der zementierte A2® Kurzschaft nach Angaben von Dr. Regenbrecht in rund 7.000 Fällen in 85 Kliniken eingesetzt.

Zum zementierten Kurzschaft präsentierten Prof. Dr. Budde und Dr. Regenbrecht Daten aus der Multicenter-Studie. Bei den n=147 Patienten (Alter 78,5 ± 5,2 Jahre [66–94], 72,8 % weiblich, BMI 26,1 ± 3,5) wurden folgende unerwünschte Ereignisse berichtet: eine Schaftrevision aufgrund aseptischen Einsinkens (ca. 2 Monate postoperativ) sowie eine periprothetische Fraktur vom Typ Vancouver B2 nach ca. 3,2 Jahren (Wechsel auf einen Revitan-Schaft); Luxationen traten keine auf. Die Inzidenzrate für Revisionen wurde mit 0,71 pro 100 Patientenjahre angegeben (95 %-KI 0,18–2,84; 281,5 Patientenjahre Beobachtungszeit). Dr. Regenbrecht betonte die Bedeutung einer korrekten Zementiertechnik als entscheidenden Faktor für das Ergebnis. Prof. Dr. Budde wies zudem auf die besondere Verantwortung der Operateure hin, da der A2® Kurzschaft aktuell der einzige am Markt verfügbare zementierte Kurzschaft sei, und mahnte zu einer zurückhaltenden Indikationsstellung.

Prof. Dr. Johannes Zeichen, Minden, ordnete die Anwendung des zementierten Kurzschafts in der Frakturversorgung ein: In seiner eigenen Untersuchung (n=403, 2021–2024) entfielen 69 Prozent der Fälle auf Frakturpatienten mit einem Durchschnittsalter von 83 Jahren, davon 88 Prozent mit Dorr-B- und 8,1 Prozent mit Dorr-C-Femora. Der zementierte Kurzschaft erlaube es, so Prof. Dr. Zeichen, das ursprüngliche Kurzschaftprinzip – Knochenerhalt und Weichteilschonung – auf eine Patientengruppe auszuweiten, die bislang eher außerhalb des klassischen Indikationsspektrums lag: die eigentliche Kernklientel der Endoprothetik jenseits der 75.

Dr. Bertram Regenbrecht

Dr. Bertram Regenbrecht

Prof. Dr. Johannes Zeichen

Prof. Dr. Johannes Zeichen

Individualisierung der Versorgung

Ein weiterer Schwerpunkt des Tages war die zunehmend differenzierte Betrachtung und Versorgung der individuellen Anatomie. PD Dr. Tilman Graulich, Oldenburg, stellte mit der CPAH-Klassifikation (Coronal Plane Alignment of the Hip) ein neues, an über 2.300 Fällen entwickeltes Planungswerkzeug vor, das Dorr-Typ, Schenkelhalsanatomie und femorales Offset zu neun morphologischen Gruppen kombiniert. Das Ziel ist dabei, komplexe Fälle mit Mismatch zwischen Anatomie und Standardimplantat frühzeitig zu identifizieren.

Wie relevant das in der Praxis ist, zeigten mehrere Vorträge zu anatomischen Grenzfällen: Dr. Harald Kuhn, Lohne, und Dr. Jens Peters, Sulingen, legten unabhängig voneinander dar, dass gerade die Kombination aus engem Markraum (Dorr A) und hohem Offset mit Standard- oder gekürzten Geradschäften nur schwer zu versorgen sei. Ein kalkargeführter Kurzschaft wie das A2® System biete hier durch seine Offset-Variabilität und individuell wählbare Resektionshöhe mehr Freiheitsgrade. Dr. Peters bezeichnete den Kurzschaft in diesem Zusammenhang als „Working Horse“ für Dorr-A-Femora.

Wie weit diese Individualisierung reichen kann, zeigte PD Dr. Lothar Seefried, Würzburg. Also Osteologe und Spezialist für seltene Erkrankungen des Bewegungsapparates verwies er darauf, dass hinter einer untypisch erscheinenden Arthrose seltene metabolische und endokrinologische Knochenerkrankungen stecken könnten (u. a. Morbus Paget, Osteopetrose, Morbus Gaucher, X-chromosomale Hypophosphatämie) – mit teils unmittelbaren Konsequenzen für die Wahl zwischen zementierter und zementfreier Versorgung sowie für eine notwendige Vorbehandlung. Sein eigenes Credo: Wer die Bildgebung „drei Sekunden länger“ betrachte, erspare sich im OP-Saal mitunter erhebliche Probleme.

Einen weiteren, methodisch starken Einzelbeleg für die anatomische Anpassungsfähigkeit lieferte die randomisiert-kontrollierte Studie, die Dr. Jan-Philipp Imiolczyk, Berlin, vorstellte. Eingeschlossen wurden 40 Patienten, randomisiert auf den A2®-Schaft (n=19) oder einen konventionellen Geradschaft (SL-Plus MIA von Smith & Nephew, n=21). Aufgrund fehlender postoperativer MRT-Aufnahmen lagen für die bildgebungsbasierten Endpunkte vollständige Datensätze bei 18 versus 18 Patienten vor. Auf dieser Basis (n=18:18) rekonstruierte der A2® Kurzschaft die native femorale Antetorsion signifikant präziser (Anatomie-Tracking-Steigung 0,88 vs. 0,46; β=-0,42, p=0,048) und zeigte eine signifikant geringere postoperative Zunahme der Muskelverfettung an M. tensor fasciae latae, M. gluteus medius und M. gluteus minimus (jeweils p<0,001). Beim klinischen Ergebnis nach sechs Monaten (Harris Hip Score) zeigte sich zwischen den Gruppen kein signifikanter Unterschied (96,6 vs. 94,7; p=0,374).

PD Dr. Tilman Graulich

PD Dr. Tilman Graulich

Dr. Harald Kuhn

Dr. Harald Kuhn

Dr. Jens Peters

Dr. Jens Peters

PD Dr. Lothar Seefried

PD Dr. Lothar Seefried

Dr. Jan-Philipp Imiolczyk

Dr. Jan-Philipp Imiolczyk

Alter, Gewicht und Sport

Dr. Thorsten Hillmann lieferte mit eigenen Daten des Eduardus-Krankenhauses ein weiteres Beispiel für eine individualisierte Betrachtung bezogen auf die Risiken Alter und Körpergewicht. In einer retrospektiven Auswertung von über 600 Patienten über 80 Jahren (Dorr-C-Femora ausgeschlossen) zeigte die Kurzschaftgruppe (n=413, Ø Alter 83,7 Jahre) gegenüber einer Standardschaftgruppe (n=191) niedrigere Raten bei Fissur/Fraktur (2,17 % vs. 3,65 %) und Luxation (0,96 % vs. 4,71 %). Seine daraus abgeleitete Kernthese: Nicht das kalendarische Alter allein, sondern die Knochenqualität, erfasst über die Dorr-Klassifikation, sollte die Indikation leiten.

In einer zweiten eigenen Studie zu Patienten mit hohem BMI (130 Patienten mit BMI über 40 vs. 120 Kontrollpatienten mit BMI 20–29,9, Nachbeobachtung 34 Monate, Rücklaufquote 85,6 %) zeigten sich in der BMI-über-40-Gruppe eine längere Operationszeit (72 vs. 58 Minuten) sowie mehr Luxationen (4 vs. 1) und Revisionen (8 vs. 4); periprothetische Frakturen traten in keiner der beiden Gruppen auf. Dr. Hillmanns Einordnung: Die erhöhte Komplikationsrate bei hohem BMI sei nicht dem Kurzschaft selbst, sondern patientenseitigen Faktoren zuzuschreiben.

Diesen Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Risiko vertiefte Dr. Stephanie Kirschbaum, Berlin: Nach EPRD-Daten (n=403.073 elektive Hüft-TEP) steigt das Revisionsrisiko ab einem BMI von 35 um das Dreifache, ab einem BMI von 40 um das Sechsfache (Lützner et al. 2025). Eine mindestens dreimonatige Vorbehandlung mit bariatrischer Chirurgie oder GLP-1-Agonisten könne das Risiko einer periprothetischen Infektion nach ihrer Darstellung um bis zu 50 Prozent senken.

Auch die Frage der sportlichen Belastbarkeit von Implantaten ist individuell zu beantworten. Prof. Dr. Henning Windhagen, Hannover, machte deutlich, dass äußere, sichtbare Kräfte nicht mit den tatsächlichen internen Gelenkkontaktkräften gleichzusetzen sind. Er veranschaulichte dies u.a. an Daten zu instrumentierten Knieprothesen. Die Materialbelastung heutiger Hüftimplantate liegt mit rund 25 MPa üblicherweise deutlich unter der kritischen Grenze. Der Verschleiß korreliere jedoch mit der kumulativen Belastung: In einer von Prof. Dr. Windhagen vorgestellten Modellrechnung sank die geschätzte Standzeit von 25,7 Jahren bei reiner Gehbelastung auf 15,4 Jahre bei zusätzlicher Radbelastung von 80 km pro Woche.

Prof. Dr. Henning Windhagen

Prof. Dr. Henning Windhagen

Prof. Dr. Christoph Zilkens

Dr. Thorsten Hillmann

Dr. Stephanie Kirschbaum

Dr. Stephanie Kirschbaum

Funktionelle Planung statt „Safe Zone“

Auch bei der Pfannenpositionierung ging der Tenor weg von starren Zielwerten, hin zu individueller Planung. Dr. Frank Horst, Sendenhorst, plädierte dafür, die Pfannenanteversion an die tatsächlich erreichte Schaft-/Femurantetorsion anzupassen, statt eine feste „Safe Zone“ (nach Lewinnek) anzustreben. Eine kombinierte Anteversion von 25 bis 45 Grad sei dabei die praktikablere Zielgröße, da Pfanne und Femur „ein System“ bildeten. Beim Kurzschaft sei dies besonders gut umsetzbar, da die Schafttorsion patientenindividuell variabler ausfalle und sich die Pfanne entsprechend an die real erreichte Schaftposition anpassen lasse. Bei Standardschäften seien dagegen eher Kompromisse nötig.

Prof. Dr. Peter Schräder, Seeheim-Jugenheim, näherte sich demselben Thema von der technologischen Seite über die robotisch assistierte Hüftendoprothetik. Er ordnete den aktuellen Robotik-Trend kritisch ein: Die internationale Literatur zeige zwar konsistent eine verbesserte radiologische Präzision der Implantatpositionierung. Ein klinischer Zusatznutzen bei PROMs oder Revisionsraten sei dagegen statistisch fragil und durch Confounding belastet. Den eigentlichen Wertbeitrag der Robotik sah Prof. Dr. Schräder weniger im Werkzeug selbst als in einem veränderten Vorgehen, „dem intellektuellen Zugang zur Implantation“: der Berücksichtigung spinopelviner Dysbalance und einer funktionellen, kombinierten Anteversion statt einer starren Safe Zone. Eine von ihm zitierte Untersuchung (Iorio et al. 2025) zeigte, dass bei patientenspezifisch funktionell geplanter Pfannenposition 92 Prozent der Pfannen außerhalb der klassischen Lewinnek-Safe-Zone liegen.

Auch bei der OP-Technik selbst ging der Blick in Richtung Gewebeerhalt und Individualisierung. Prof. Dr. Timm Filler, Düsseldorf, ergänzte dies um die anatomische Perspektive: Da die Propriosensorik im Wesentlichen im Bindegewebe liegt und Teil des Schmerzsystems ist, gebe es auch aus anatomischer Sicht gute Gründe, so viel Gewebe wie möglich zu erhalten und minimalinvasiv vorzugehen.

PD Dr. Peter Prodinger, Hausham, ergänzte den Blick auf die Zugangswahl um eine praktische Modifikation für adipöse Patientinnen und Patienten: Statt beim anterioren Zugang die Bauch- und Leistenfalten längs zu durchtrennen, führte er den Hautschnitt quer entlang der Langer-Spannungslinien – der sogenannte Bikini-Schnitt. Ziel war es, Wundheilungsstörungen an den Faltenübergängen zu vermeiden; nach eigener Aussage war jedoch der kosmetische Aspekt der eigentlich ausschlaggebende Antrieb für diese Entwicklung.

Dr. Frank Horst mit PD Dr. Thomas Randau

Dr. Frank Horst mit PD Dr. Thomas Randau

Prof. Dr. Peter Schräder

Prof. Dr. Peter Schräder

Prof. Dr. Timm Filler

Prof. Dr. Timm Filler

PD Dr. Peter Prodinger

PD Dr. Peter Prodinger

Der Kurzschaft als ein Baustein im Gesamtkonzept

Dass der Erfolg einer Kurzschaftversorgung nicht allein am Implantat hängt, zeigte der letzte inhaltliche Block des Symposiums. Prof. Dr. Christoph Zilkens, Köln, stellte Blood-Flow-Restriction-(BFR-)Training als Konzept gegen den postoperativen Muskelabbau vor und fasste zusammen: „Die Zukunft der Endoprothetik beginnt nicht im OP, sondern Wochen davor.“ Dr. Baraa Khamees, Kiel, ergänzte dies um Ausführungen zum ERAS-basierten Fast-Track-Konzept. Das multimodale perioperative Management kann gemeinsam mit der minimalinvasiven Kurzschaftversorgung zu einer schnelleren Mobilisation der Patienten beitragen.

Prof. Dr. Christoph Zilkens

Prof. Dr. Christoph Zilkens

Dr. Baraa Khamees

Dr. Baraa Khamees

Fazit

Zehn Jahre nach Markteinführung zeigt die auf dem Kölner Symposium vorgestellte Datenlage ein konsistentes Bild: Der A2 Kurzschaft ist eine biomechanisch gut begründete, klinisch gleichwertige und zunehmend auch für ältere und anatomisch anspruchsvolle Patientinnen und Patienten einsetzbare Versorgungsoption. Die Kurzschaftversorgung wird zunehmend von einem wachsenden Bewusstsein flankiert, dass die Implantatwahl allein nicht über das Ergebnis entscheidet, sondern Planung, perioperatives Management und Rehabilitation gleichermaßen dazugehören.

Wissenschaftliche Leitung: PD Dr. med. Thomas Randau und Dr. med. Thorsten Hillmann

Wir danken den wissenschaftlichen Leitern PD Dr. med. Thomas Randau und Dr. med. Thorsten Hillmann für die umsichtige Programm-Zusammenstellung und die wissenschaftliche Breite des Jubiläums-Symposiums.

Team ARTIQO

Team ARTIQO

Alle Referenten

Alle Referenten „10 Jahre A2® Kurzschaft“ Symposium