10 Jahre ARTIQO Endoprothetik

Ulrich Bücken 10 Jahre ARTIQO Endoprothetik

10 Jahre ARTIQO Endoprothetik

Den eigenen Überzeugungen folgen

Ulrich Buecken 10 Jahre ARTIQO Endoprothetik

Sich selbst treu bleiben und den eigenen Überzeugungen folgen: Vor 10 Jahren gab das den Ausschlag für die Gründung der Firma ARTIQO und kann gleichzeitig als Leitmotiv für die Produktentwicklungen und für den Marktauftritt des Unternehmens gelten. Anlässlich des Firmenjubiläums lässt Ulrich Bücken, Geschäftsführer der ARTIQO GmbH, im Interview die ersten 10 Jahre Revue passieren und erinnert sich, wie alles anfing. Und er gibt einen Ausblick, welche Entwicklungsschritte auf das Unternehmen in Lüdinghausen warten.

Wieso hast du 2013 ein Unternehmen im Bereich der Endoprothetik gegründet? War das „Bärenfell“ damals nicht schon verteilt?

Ulrich Bücken: Das haben uns damals viele Wegbegleiter gefragt: Was hat euch geritten, ARTIQO zu gründen? Die Reaktionen reichten von völligem Unverständnis bis zu großer Freude.

Jeder, der den endoprothetischen Markt kennt, weiß wie hart das ist. Die Endoprothetik ist zu einem Markt des „me too“ geworden. Viele Anbieter lösen dieselben Themen auf ähnliche Weise.

Die Berechtigung der Firma ARTIQO lag deshalb nie im „me too“. Wir waren überzeugt, dass es eine Firma braucht, die bekannte Themen anders angeht – und das konsequent.

Ich sehe heute mit Freude und Dankbarkeit, welchen Platz wir uns erarbeitet haben: mit den richtigen Themen, den richtigen klinischen Partnern und Zulieferern und nicht zuletzt mit den richtigen Mitarbeitern.

Was hat die Firmengründung für dich persönlich bedeutet?

Ulrich Bücken: Ich bin seit 1989 in der Branche und war in all der Zeit immer sehr nah an den Produkten und den Kunden – zuerst als Produktmanager, dann als technischer Leiter und nach der Akquisition der Plus Orthopedics GmbH durch Smith & Nephew als Geschäftsführer mit den Schwerpunkten Produktmanagement, Marketing und Entwicklung.

Ein Konzern war einfach nicht der Ort, den ich für mich und meine Themen für richtig hielt. Ich hatte den Wunsch, meinen eigenen Überzeugungen zu folgen. Das gab den Ausschlag für die Firmengründung.

Das ging auch den Kollegen so, die ja alle ähnlich lang im Markt sind und heute das ARTIQO-Team bilden. Damals gab es kein Gespräch ohne den Satz: „Wenn wir wieder so arbeiten könnten, wie wir es für richtig halten: Was könnten wir alles erreichen?“ Das haben wir wieder zum Leben erweckt: Wir sind sehr nah am Kunden und nah am Produkt.

Wie ernst wir als Unternehmen in der Anfangszeit genommen wurden, weiß ich nicht. Wir sind jedoch als Personen mit unserer Expertise und Überzeugungen immer akzeptiert gewesen. Mittlerweile schätzt man uns für das, was wir tun und wie wir es tun.

Wenn du dich zurückerinnerst: Wie verlief euer Start vor 10 Jahren?

Ulrich Bücken: Wir konnten damals zwei etablierte Produkte mit Alleinstellungsmerkmal übernehmen: die ANA.NOVA® Hybrid Pfanne und das CCG® Cerclagesystem. Im Konzernumfeld waren sie nur zwei Produkte von vielen, während wir die Möglichkeit hatten, ihnen einen neuen Fokus zu geben.

Unser allererster Auftrag ging am 2. Januar 2013 mit der Bestellung eines Cerclagesystems ein – da brach großer Jubel aus. In den ersten vier Wochen galt es vor allem, aus dem Stand alle Anwender der Hybrid Pfanne zu besuchen und neu auszustatten. Wir sprechen von 80 Instrumentensieben, die wir in sehr kurzer Zeit bundesweit in die Häuser geliefert haben. Wir waren sehr gut vorbereitet. Die Partnerschaft mit ImplanTec in Österreich lief hervorragend. Das hatte uns niemand zugetraut. Das hat sicher die Basis für das Vertrauen gelegt.

Im Anschluss ging es darum, unsere neuen Produkte zu etablieren, um Systemanbieter zu werden. In 2015 wurden wir als Hersteller für Klasse III Produkte zugelassen, im Dezember desselben Jahres erfolgte die Produktzulassung des A2® Schaftes und im Frühjahr 2016 die des 4-motion® Kniegelenks.

Heute staune ich, dass wir uns nie in Frage gestellt haben. Wir hatten eine große Leichtigkeit in dieser ersten Zeit und hatten immer die feste Überzeugung, dass wir mit unserem Konzept Erfolg haben werden.

Nah an den Kunden und am Produkt: Würdest du so auch die Unternehmensphilosophie von ARTIQO beschreiben?

Ulrich Bücken: Ja. Es sind Werte wie Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, denen wir als Gründer eine neue Heimat geben möchten. Mit Ehrlichkeit meine ich, dass wir miteinander und mit den Kunden sprechen. Ich möchte beispielsweise Dinge, die nicht funktionieren, auch nicht beschönigen. Man kann auch sagen: Wir sind authentisch in unserem Marktauftritt. Mit Zuverlässigkeit meine ich sowohl unser Verhalten in der Kundenbetreuung als auch unsere Zuverlässigkeit in der Lieferkette.

Wir sind immer in einem engen persönlichen Austausch mit unseren Kunden und Referenzzentren und damit sehr nahe an unseren Produkten und Lösungen, die wir anbieten. Nur so können wir auf Basis der klinischen Erfahrungen und Ergebnisse bessere Lösungen für existierende Probleme anbieten. Gute Implantate haben andere Anbieter auch. Wir sind angetreten, es besser zu machen.

Dafür braucht es Mitarbeiter mit einer hohen fachlichen Erfahrung, die das Business kennen und die eine gewisse menschliche Reife haben. Das kann ich allen unseren Mitarbeitern bescheinigen. Ich denke, das ist ein wichtiger Mehrwert für unsere Kunden.

Wir möchten nicht nur unseren Patienten und Kunden einen Mehrwert bieten, sondern auch unseren Mitarbeitern. Arbeitszeit ist Lebenszeit. Unsere Leute sollen Spaß daran haben, einen guten Job zu machen. Der Mehrwert für die Investoren steht tatsächlich an letzter Stelle. Wir müssen keinen Return on Investment in 3-5 Jahren schaffen, und wir sind auch nicht von Quartalszahlen getrieben Wir wollen das Unternehmen und unsere Produkte langfristig entwickeln und etablieren.

ARTIQO ist ein deutsches Mittelstandsunternehmen, das hauptsächlich in Deutschland und teilweise in Europa produziert. Wie wichtig ist dieser Aspekt für euch?

Ulrich Bücken: Für die Entwicklung und Herstellung unserer Produkte arbeiten wir überwiegend mit Partnern zusammen, die u.a. in Deutschland, Österreich und Frankreich ansässig sind. Für uns als Unternehmen ist das sehr wichtig. Es erleichtert uns die Kommunikation und die Zusammenarbeit. Gleichzeitig wissen wir, dass wir auf diese Weise nicht nur höchste Qualitäts-, sondern auch hohe europäische Sozial- und Umweltstandards erfüllen können.

Für uns und unsere Kunden bedeutet dies zudem, dass die logistischen Wege kürzer sind. Die Kilometer, die unsere Produkte zum Kunden bewältigen müssen, sind ein Bruchteil des Weges, der oft bei international operierenden Konzernen anfällt. Bei uns kann kein Container vom Schiff fallen. Es gibt höchstens eine Verzögerung durch einen Stau auf der A2.

Welchen Ausblick möchtest du für die kommenden 10 Jahre geben, für die Endoprothetik und für ARTIQO?

Ulrich Bücken: Die europäische Verordnung über Medizinprodukte, MDR, tritt bald in Kraft. ARTIQO ist als Hersteller bereits seit letztem Herbst zertifiziert und erfüllt als Unternehmen alle Anforderungen. Unsere Produkte sind ebenfalls im laufenden Zertifizierungsprozess. Wir schauen also sehr zuversichtlich in die Zukunft, was unser eigenes Portfolio angeht, und sind gleichzeitig gespannt, wie umfangreich die Produktbereinigung in der Endoprothetik stattfinden wird.

Für die Endoprothetik sind, wie für jede andere medizinische Disziplin, Daten die Währung der Zukunft. Nicht nur mit Blick auf die MDR war uns von Tag Eins unserer Firmengründung klar, welchen Stellenwert präklinische Studien und klinische Beobachtungen haben werden. Deshalb haben wir von Anfang an Studien initiiert und uns damit bei Meinungsbildnern einen sehr guten Ruf erarbeitet. Für die weitere Entwicklung arbeiten wir an prospektiven Studiendesigns, um die Registerdaten zu flankieren.

Ein weiterer Ausblick für ARTIQO: Wir werden vermehrt aus dem Ausland angefragt, unsere Produkte zu exportieren. Frankreich wird einer der ersten Exportmärkte sein. Das ist eine großartige Bestätigung für unser Produktportfolio und unseren Marktauftritt. ARTIQO wird mehr und mehr europäisch werden.

Das Interview führte Michaela Rau, freie Redakteurin.

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